Achtung: Geschickte Teilnehmer!

In der Anfangssituation jedes Trainings offenbart sich der geübten Trainerin bereits in den ersten Äußerungen der Teilnehmer der Grad ihrer Teilnahme-Freiwilligkeit in diesem Training.

Wie kommt es, dass sich trotz guter Trainingskonzeption die Begeisterung und Motivation für ein Training bei dem einen oder der anderen Teilnehmerin in Grenzen hält? Welche unausgesprochenen Vorurteile kommen mit in den Trainingsraum? Und wie gehe ich als Trainerin damit am besten um?

Nehmen wir als Beispiel ein zweitägiges Kommunikationstraining. Meist muss ich am ersten Tag des Trainings nicht abwarten bis wir offiziell starten, um den Motivationsgrad meiner Teilnehmer mitzubekommen. Schon das Verhalten beim Eintreffen, die Platzwahl, das versucht unauffällige Abtaxieren meiner Person und die Begrüßungssituation verraten mir eine Menge darüber, ob ein Teilnehmer sich dieses Training selbst ausgesucht hat, oder er hierhin geschickt wurde, ob er gerne da ist oder nicht.

Da den meisten Wenig-Motivierten direkte Unlust-Äußerungen am Anfang eher sozial inadäquat erscheinen, zeigen sie ihren Unmut eher indirekt. So setzen sie sich möglichst in eine Ecke, vermeiden den Blickkontakt mit mir, sind bis zum offiziellen Beginn wichtig mit ihrem Smartphone beschäftigt oder verlassen nach Sicherung eines geeigneten Sitzplatzes wieder rasch den Trainingsraum.

Bei der Abfrage der Erwartungshaltung in der Einstiegsrunde höre ich dann Variation von: „Ja, ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, schauen wir mal.“ oder „Ich lass mich mal überraschen.“ bis hin zu: „Ich weiß gar nicht, warum ich hier bin, mein Chef hat gesagt, ich soll gehen.“

Schon deutlich kritischer empfinde ich Äußerungen wie: „Ja, ich war ja schon 1.000 Kommunikationstrainings, mein Schreibtisch liegt voll und jetzt muss ich hier noch hin.“ oder: „Können wir nicht die Mittagspause kürzen, dann sind wir schneller fertig?“

Mein persönliches Highlight war ein Teilnehmer eines meiner Trainings vor einigen Jahren, der schweigend mit verschränkten Armen und gesenktem Blick dasaß, bis er in der Vorstellungsrunde an der Reihe war. Dann blickte er kurz grimmig auf und sagte: „Ich sag‘ hier gar nichts!“

Desto „geschickter“ meine Teilnehmer sind, desto geschickter muss auch ich damit umgehen. Eine Konfrontation in Richtung: „Hier scheint mir nicht die rechte Arbeitsenergie im Raum zu sein.“ oder diese Schwingungen einfach zu ignorieren, führen mit Sicherheit zu einer Eskalation der ablehnenden Haltung.

Die Ursachen für die Ablehnung sind vielfältig. Ein Grund kann sein, dass die Teilnehmer ohnehin bis zum Kragen voll in Arbeit stecken und das Training einen ungünstigen Zeitpunkt hat. Weitere Ursachen reichen vom Desinteresse sich im Themenfeld weiterzuentwickeln über die Sorge, seine Zeit in einer sinnlosen Maßnahme zu vergeuden, Unkenntnis über Sinn und Ziel der Veranstaltung bis hin zur Angst, in einem Training getestet, eventuell in Rollenspielen bloßgestellt oder beurteilt zu werden.

Der grimmige Teilnehmer beispielsweise ließ, nachdem ich mit ihm gut in Kontakt gekommen war, den Hintergrund seiner Ablehnung heraus. Er hatte in einem früheren Training die Erfahrung gemacht, dass der damalige Trainer ohne die Teilnehmer zu informieren nach dem Training ein Skillprofil von jedem Teilnehmer erstellt hatte und ihm die aufgelisteten angeblichen Schwächen von seiner Führungskraft noch Jahre später unter die Nase gehalten wurde.

Die anfänglichen Unsicherheiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind meiner Erfahrung nach ein Mix aus verschiedenen Ursachen. Häufig erhalten sie im Vorfeld wenig Informationen über Hintergrund, Ziel und Nutzen des Trainings von Seiten der Führungskräfte bzw. Personalabteilung. Manchmal bekommen Sie zwar eine Trainingsausschreibung zugeschickt. Aber was haben die Inhalte konkret mit ihnen zu tun? Manch einer sieht die Nominierung zum Training als eine unausgesprochene Kritik. Haben sie bisher so schlecht kommuniziert, dass sie zum „Nachsitzen“ müssen? Ein qualifiziertes Feedback- bzw. Zielgespräch zur Trainingsvorbereitung findet meist leider nicht statt.

Eine weitere Ursache können negativ abgespeicherten Lernerfahrungen der Teilnehmer aus vorangegangenen Trainings oder aus ihrer Studien- und Schulzeit sein. Häufig haben Teilnehmer auch die Erfahrung gemacht, dass sie die Lerninhalte des Trainings im Nachhinein nicht in ihrem Alltag anwenden können, weil sie einfach nicht zur Abteilungs- oder Unternehmenskultur passen.

Und ein wichtiger Grund ist sicher bei Vielen das Gefühl der Fremdbestimmtheit, das Ablehnung bis hin zu Rebellion produziert. Die kann sich dann aktiv äußern, beispielsweise in Kritik am Training, an der Trainerin, in inhaltlich unproduktiven Diskussionen oder in Störverhalten. Genauso aber auch passiv in Teilnahmslosigkeit, sich Ablenkung suchen, Pausenzeiten nicht einhalten, Aufgabenstellungen bewusst nicht verstehen etc.

Jede dieser Formen der Ablehnung sind ungeklärt destruktiv für den Trainingserfolg.

Um dies zu vermeiden, hier einige Empfehlungen:

  • Sinnvolle Teilnehmerauswahl: Wählen Sie die Teilnehmer für ein Training sorgfältig aus. Sollen alle Mitarbeiter einer Abteilung dasselbe Training erhalten? Für mich bereits ein Indiz, genauer hinzuhören.
  • Trainingsvorbereitung: Neben Inhaltsbestimmung und Trainingsdesign, die von Auftraggebern und Trainer erarbeitet werden, sollten die ausgewählten Teilnehmer mit ihrer Führungskraft Gelegenheit zu einem Vorbereitungsgespräch haben. Gerade in Verhaltenstrainings ist es wichtig, dass die Teilnehmer ihr aktuelles Verhalten nicht nur selbst einschätzen, sondern sie auch eine relevante Fremdsicht aus ihrem Arbeitskontext erhalten, die sie dann mit dem Feedback aus dem Training abgleichen können.
  • Inhaltliche und methodische Abstimmung: Zu Beginn des Trainings sollte ausreichend Zeit zur Inhalts- und Zielbestimmung zwischen Trainerin und Teilnehmern möglich sein. Hier soll nicht das geplantes Trainingsdesign über den Haufen geworfen werden, sondern die Teilnehmenden sollen Gelegenheit haben, sich einzubringen, abgeholt zu werden und Lernziele zu reflektieren.

Wahlfreiheit: Niemand wird gezwungen. Die Teilnehmer wollen keine Rollenspiele machen? Es gibt auch andere Methoden, um Kommunikation zu üben. Inhalte müssen angepasst werden? Hier müssen Trainer kompetent und flexibel sein, um auch kurzfristig die optimalen Lerninhalte für die anwesenden Teilnehmer zum Thema anzubieten.